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DAU Barcelona 2014

Arve D. Fühler und Bruno Cathala – Gewinner des DAU Barcelona 2014TATAA! Wie versprochen hier die Auflösung zu meinem Kurztrip nach Barcelona: Internationale Spieleautoren wurden vom DAU Barcelona eingeladen die besten Autoren des Jahres zu wählen. Die Gewinner sind der fabelhafte Bruno Cathala als „Autor des Jahres 2014“ und meine Wenigkeit als „Neuer Autor des Jahres 2014“. Das ist nun wirklich ein krönender Abschluss eines wahnsinnigen Spielejahres. Ich sage Danke an alle, die mich auf diesem tollen Weg begleitet und unterstütz haben.

Das Wochenende rund um das Festival DAU Barcelona war voll von tollen Eindrücken und fantastischen Menschen. Nicht nur, das ich einige großartige Spieleautoren kennen gelernt habe (siehe Bildergalerie) und Barcelona natürlich eine berauschende Stadt ist – es waren vor allen die Katalonen, die mich begeistert haben.

Ich wünsche allen engagierten Leuten vor Ort, das der DAU Barcelona zu einem großen und international bedeutenden Spiele-Festival wird. Das ist das gesetzte Ziel und ich denke, der Erfolg des diesjährigen Festivals zeigt, das der Weg dorthin nicht mehr weit ist. Wer sich für das DAU Barcelona interessiert – hier geht es zur Webseite: daubarcelona.bcn.cat. DAU heißt übrigens Würfel auf Katalanisch.


Spieleautoren sind Urheber!

„Mit einer juristischen Stellungnahme, einem offenen Brief und einer Unterschriftenaktion kontert die Spiele-Autoren-Zunft e.V. (SAZ) im April 2013 die Weigerung der Fachgruppe Spiel e.V., den Spieleautoren den Status als Urheber anzuerkennen und die Gespräche mit der SAZ gemäß § 36 UrhG als deren Vertretung fortzuführen.“

Mehr über dieses brisante und aktuelle Thema ist auf der Steite www.spieleautorenzunft.de/spieleautoren-sind-urheber.html zu lesen. Hier gibt es neben weiteren Links zu dem Thema auch den Verweis zur Unterschriftensammlung, die unbedingt unterstützenswert ist.

 


In Deutschland wird gespielt.


Immer wieder bin ich erstaunt, wie viele Leute so gar keine Ahnung haben das Deutschland nicht nur ein Land der Dichter und Denker und der Wissenschaft und Technologie ist, sondern ebenfalls ein Land der Spieler – oder vielleicht sogar das Land der Spieler. Jetzt denkt jeder sicherlich an Video- und Computerspiele und möchte schon wiedersprechen – aber hier geht es um Brettspiele, bzw. Gesellschaftsspiele. Also jene Spiele, die man gemeinsam mit wirklichen Menschen und realem (Spiel)Material an einem echten Tisch spielt.

Warum nun Spiele und Spielen immer noch einen so mageren Stellenwert (siehe die Mettigel) und ein fragwürdiges Image in der Bevölkerung hat liegt an vielen Faktoren. Sicherlich weil das Thema „Spiel“ noch immer nicht so stark in der Gesellschaft präsent ist wie es sein sollte – obwohl es „Gesellschaftsspiel“ heißt. Für viele hört die Auseinanderstzung mit „Spielen“ aber auch einfach mit dem Ende der Kindheit auf.  Trotzdem hat sich in Deutschland eine riesige Spiele(r)szene etabliert sowie ein großer hochprofessioneller Markt.

Für all die „ahnungslosen“ Menschen hier nun ein ganz kleiner Einblick in die Spiele(r)szene und ein paar Argumente, warum der Prophet im eigenen Land doch mehr zählen sollte.

Deutschland genießt im Ausland seit Jahren ein hohes Ansehen. Wir sind beliebt, beachtet und geschätzt. Dazu gibt es viele Studien (aktuell die Umfragen des Pew Research Center in den USA) und neben unseren „Dichtern und Denkern“ – siehe oben – sicherlich auch viele Gründe: zum Beispiel das „Sommermärchen 2006“ oder das deutsche Touristen im Ausland nicht mehr pöpelnd in weißen Tennissocken rumlaufen. Vielleicht auch weil immer mehr Reisende nach Deutschland kommen und mit alten Vorurteilen aufräumen … und vielleicht auch die deutsche Brettspielkultur.

Jetzt sind wir beim Prophet: denn die Deutschen sehen sich selber immer negativer als Sie von anderen Nationen wahrgenommen werden– auch das wird durch Studien belegt. Und wie oben geschrieben, kommt die deutsche (Brett)Spielkultur auch nicht besonders gut weg – zumindest in Deutschland. In vielen anderen Ländern wird unser Propheten allerdings gehört. Die deutsche Brettspielkultur genießt dort ein sehr hohes Ansehen – und zurecht, sie ist in vielen Dingen wirklich weltweit einmalig und einzigartig.

Jetzt definiert sich die Brettspielkultur natürlich nicht nur durch das Kulturgut Spiel – „German Games“ ist mittlerweile ein Gattungsbegriff und ebenso positiv aufgeladen wie „Made in Germany“, sondern auch durch die vielen Menschen, die sich mehr oder weniger intensiv mit Spielen auseinandersetzen und damit den Stellenwert der Brettspielkultur steigern. In Deutschland, allen Propheten zum trotz, und im Ausland:

  • Da sind die Spielautoren, die Kreativen, die Tüftler, die Ideenfinder und Ideengeber, die Spiele mit Leidenschaft entwickeln. Die immer auf der Suche nach neuen Trends sind und oftmals selber Trends setzen.
  • Da sind die Illustratoren, die Künstler, die Art-Direktoren und Gestalter, die mit Liebe zum Detail den Spielwelten Gestalt und Atmosphäre geben.
  • Da sind die Verlage, die Redakteure und die Produzenten, die selbst abwegige Ideen in ungesehene, aufregende und innovative Produkte umsetzen. Inhaltlich und technisch auf höchstem Niveau.
  • Da sind die Journalisten, die Publizisten und die vielen Spielbegeisterten, die in den Medien, in Magazinen oder auf Blogs berichten. Mit Begeisterung und kritischem Sachverstand.
  • Da sind natürlich die Spieler, die im kleinen oder großen Kreis mit Familie, Freuden und Gleichgesinnten die Spiele mit Leben füllen. Mit Spaß und Enthusiasmus, mit Taktik und spielerischem Ehrgeiz, mit Phantasie und Lebensfreude.
  • Dann gibt es aber auch die Wissenschaft und Forschung, die sich mit dem Phänomen „Homo ludens“ auseinandersetzt.
  • Und da es sich ja nicht um eine „Spielerei“, sondern um einen ernst zu nehmenden Markt handelt, existieren auch die unterschiedlichsten Institutionen und Vereine, die sich mit dem Thema in allen Facetten beschäftigt.

Die „Welt der Spiele(r)“ ist also kreativ, ideenreich, innovativ, weltoffen, am Puls der Zeit, fröhlich, lebensbejahend, familienfreundlich, gesellig, technisch fortschrittlich, und, und, und …

Werden die Deutschen nun als Land mit einer großen Brettspielkultur wahrgenommen, werden sie also auch mit all diesen positiven Werten in Verbindung gebracht. Das steigert dann nicht nur den Stellenwert unserer Spielkultur insgesamt, sonderen auch den Stellenwert unserer Propheten. Und das ist gut!

Wer jetzt noch mehr über all diese Menschen und ihre „verspielten“ Aktivitäten wissen möchte, dem sei an dieser Stelle die Linkliste der SAZ (Spiele-Autoren-Zunft e.V.) empfohlen. Sie bietet einen guten Überblick über die große Szene mit ausgewählten Referenzen – auch über unsere Grenzen hinweg.

Zuletzt sei noch angemerkt – trotz des kurzen positiv gezeichneten Bildes: Ja, es gibt auch Spielverderber. Die gibt es überall, aber wer möchte mit denen schon gerne zu tun haben.


Auch Spielautoren sind Urheber

Im Rahmen der Diskussion um eine Reform des Urheberrechtsgesetzes in Deutschland bezieht die SAZ ( Spiele-Autoren-Zunft e.V.) Stellung und hat im Rahmen Ihrer Mitgliederversammlung am 1. Juni 2012 in Göttingen dazu eine Resolution verfasst: „Fünf Punkte zur Urheberrechtsdebattte“. Das PDF zum Download und mehr Infos gibt es direkt hier auf der Seite der SAZ.


Aktionstag „Stadt-Land-Spielt“

Die Spiel-Autoren-Zunft (SAZ) ist seit 2008 Mitglied im Deutschen Kulturrat (Rat für Soziokultur und kulturelle Bildung) und veranstaltete am 26. Mai 2012 in Zusammenarbeit mit dem Deutschen SPIELEmuseum Chemnitz und dem Deutschen Spielearchiv Nürnberg den „Tag des Spiels“.

Ich finde das ist ein super Aktion – ganz im Sinne von „Brettspielkultur.de“ – und ich wünsche mir mehr davon. Allerdings habe ich das Gefühl, das für diese Initiative relativ wenig an PR gemacht wurde. Zumindest spuckt „die eine große Suchmaschine“ nicht soviel Verwertbares raus. Das ist schade. Ich konnte auch keine offizielle Seite zu der Aktion finden – die Domain gibt es wohl, aber da ist leider nix. Und das Logo/Visual, welches ja ganz hübsch ist, hätte ich ebenfalls gerne heruntergeladen und hier veröffentlicht.

Hierzu mehr Infos und Hintergründe auf Kulturstimmen.de und direkt bei der Spielautorenzunft.


Wie Brettspielentwickler Gesetze machen (würden)

„Mächtiger als Merkel: Wie Brettspielentwickler Gesetze machen (würden)“. Das war der Titel eines Talks von Marcel-André Casasola Merkle im Rahmen der re:publica 2012.

Ein wirklich spannender und facettenreicher Vortrag, den es lohnt komplett (!) anzusehen. An vielen Stellen hätte ich mir allerdings mehr Tiefe gewünscht, aber die Themen und Ansätze, die Marcel-André Casasola Merkle hier aufwirft, beleuchten das Thema Brettspielkultur aus einem Spannenden Blickwinkel: politisch, soziologisch und psychologisch. An den Thesen zeigt sich wunderbar wie sich der Makrokosmos (Gesellschaft/Politik) im Mikrokosmos (Spiel/Regelwerk) wiederspiegelt – und umgekehrt.

Interessant sind auch die Zuschauerfragen am Ende – hier bekommt man eine Ahnung wie viele Gedankenanstöße und wie viel Diskussionspotential in diesen Betrachtungsweisen steckt. Auf jeden Fall zeigt dieser Talk, das der Stellenwert von (Brett)Spielen enorm groß ist (sein sollte) und das sich eine Auseinandersetzung mit dem Thema lohnt.