In „El Gaucho“ bist du ein Rinderbaron, der seine Gauchos in die Weiten der Pampa schickt, um möglichst viele und stattliche Rinder einzufangen. Deine Gauchos trainieren ihre Fähigkeiten beim Würfelrodeo. Je erfolgreicher sie dabei sind, desto besser gelingt ihnen der Rinderfang. Versuche, clever zu sein und ärgere deine Konkurrenten kräftig mit fiesen Tricks, indem du ihnen die wertvollsten Rinder vor der Nase wegschnappst, ihre Gauchos aus der Pampa vertreibst oder einen Viedieb anheuerst, um ein Tier eines Mitspielers zu stehlen. Zu Hause sortierst du die Rinder nach Rasse und stellst sie zu Herden zusammen, die du dann für möglichst viele Pesos verkaufst.

El Gaucho ist bis jetzt sicherlich eines meiner populärsten Spiele und es wurde schon viel darüber berichtet und gesagt. Im September 2014 habe ich ein längeres Interview zu El Gaucho auf Reich der Spiele gegeben. Das komplette Interview mit Michael Weber findest du hier: Spieleautor Arve D. Fühler über sein Brettspiel El Gaucho. Ein Großteil des Interviews kannst du hier direkt lesen:

Arve, in Essen erscheint zur Spiel ’14 beim Argentum Verlag dein Brettspiel El Gaucho. Der Name klingt nach Lateinamerika und Hazienda. Was versteckt sich tatsächlich hinter dem Titel?


In El Gaucho versetzten wir uns zurück in die romantisch verklärte Zeit der Gauchos und Rinderbarone, mit allen Klischees, aber ohne Vorurteile – es ist ja schließlich ein Spiel und das soll vor allen Dingen Spaß machen: Als Rinderbaron schickst du deine Gauchos in die Pampa um möglichst fette und stattliche Rinder einzufangen. Diese treibst du dann ein, stellst sie zu Herden zusammen, und verkaufst sie dann mit möglichst viel Gewinn auf dem Markt. Es gibt ein Würfelrodeo, in dem die Gauchos trainieren, es gibt Viehdiebe, die du anheuerst, um deinen Mitspielern wertvolle Tiere zu stehlen, es gibt Rodeohelden, die dir zu Diensten stehen, und du kannst deine scharfen Aufseher losschicken, um schlafenden Gauchos auf die Sprünge zu helfen.

Wie bist du auf dieses Thema gekommen?


Ursprünglich hatte ich an einem Spiel mit dem Arbeitstitel Bumm! gearbeitet, bei dem man als Sprengmeister Hochhäuser in die Luft jagt. Es wurden Karten als Stockwerke ausgelegt und mit Würfeln Sprengladungen auf die Karten platziert. Waren in einem Hochhaus alle Stockwerke mit Sprengladungen versehen, wurde das Haus gesprengt und die Spieler bekamen ihre Karten. Hier wurde also das jetzige Spielprinzip geboren. Allerdings scheitete ich am Thema. Denn was erhält man, wenn man ein Hochhaus sprengt? Ein Haufen Beton?, ein Haufen Glas?, Schrott?, Staub? Dreck? Möchte das jemand für Punkte verkaufen? Das war alles nicht so prickelnd und hat mich von der Story her nicht überzeugt. Ich hatte also einen Mechanismus der schon ganz gut funktionierte aber kein passendes Thema mehr …

Also habe ich in Gedanken verschiedene Themenbereiche durchstöbert, die zu dem Mechanismus passen könnten. Irgendwann kam ich auf Landwirtschaft und dann auf Kühe – und Kühe finde ich toll. So war der Gedankensprung zu Rindern die von Cowboys, bzw. Gauchos eingefangen werden, nicht weit. Und es war sofort das Gefühl da: Das ist es! Das passt! Das hat Atmosphäre. Auch der Titel El Gaucho war sofort da.

Mit welchen Mechanismen setzt du das Brettspiel El Gaucho um? Welche sind maßgeblich für den Spielspaß verantwortlich?


In El Gaucho ist fast alles im Spiel offen und sichtbar. Ich kann also immer sehen, welche Optionen meine Mitspieler haben und was sie möglicherweise planen. Dadurch wird das Spiel ziemlich interaktiv, denn mit jeder Aktion versuche ich das Beste für mich herauszuholen und gleichzeitig möchte ich meine Mitspieler dabei möglichst viel ärgern in dem ich ihre Pläne durchkreuze. Das Spiel ist also offensichtlich gut planbar. Allerdings werden alle Aktionen über Würfel gesteuert. Das ist sozusagen das Zufallselement als Gegengewicht zur Planbarkeit und macht für mich einen Teil des Spielreizes aus. Denn je nach Würfelauswahl muss ich situationsbedingt umdenken und handeln. Außerdem habe ich nur zwei Würfel zur Auswahl und muss mich entscheiden, ob ich meine Gauchos in die Pampa schicke oder doch lieber auf die Sonderfähigkeiten gehe. So entstehen spannende Dilemma-Situationen.

Aber einen Großteil des Spielreizes machen die Sonderfähigkeiten aus. Denn sie geben mir Möglichkeiten meinen Spielzug zu optimieren, das Würfelglück einzuschränken und natürlich meine Mitspieler zu ärgern.

Ein besonders interessantes Detail ist ein eingezäuntes Würfelfeld. Dieses ist für das Spiel eigentlich unwichtig. Wie wichtig sind für dich solche Details, um Atmosphäre zu schaffen?


Das ,Würfelrodeo‘ – so nennt sich das eingezäunte Würfelfeld – ist spieltechnisch wirklich nicht relevant. Aber spielerisch und auch funktional finde ich es ein schönes und wichtiges Element.
Bei den ersten Versionen mit einem Spielplan gab es die Umzäunung noch nicht. Ich wollte aber, dass alle Würfel nach dem Würfeln auf dem Spielplan abgelegt werden, damit jeder die Würfelauswahl immer gut im Blick hat. Das Würfeln auf dem Plan gestaltete sich aber etwas schwierig. Hier standen ja auch die Spielfiguren und die wurden dann ab und zu schwungvoll umgekegelt. Also hat jeder vor sich gewürfelt, alle Würfel auf den Plan gelegt um dann anschließend wieder seine Würfel auszuwählen. Das war immer viel hin und her und somit auch keine sehr glückliche Lösung. Die Testspieler haben dann auch meistens die Würfel gar nicht erst auf den Plan gelegt, sondern einfach weitergegeben. Das funktionierte also nicht wirklich. Ich wollte aber eine einfache und intuitive Lösung, denn die Würfel sind ja ein zentrales Element …
Dann kam mir die Idee mit dem Zaun. Das sind solche Momente wo man jubelt: Eine Lösung die einfach ist, thematisch passt und ein hohes spielerisches potential hat. Also schnell ein wenig gebastelt und siehe da: Die Testspieler haben es geliebt.

Und ja, ich liebe solche Details. Denn sie unterstützen ein Spiel funktional, sind sehr intuitiv und können ein Thema optisch, atmosphärisch und spielerisch gut umsetzten und somit das Spielerlebnis erhöhen. Ich denke das funktioniert allerdings nur wenn solche ‚Gadgets‘ nicht leerer Selbstzweck sind.

Klasse ist natürlich, das Argentum das genau so umsetzen kann. Hier hat sich der Verlag mächtig ins Zeug gelegt. Da muss ich an dieser Stelle mal ganz laut Dankeschön sagen.

El Gaucho wird ein etwas anspruchsvolleres Familienspiel werden. Wer kann sich deiner Meinung nach an das Spiel herantrauen?


Die Grundmechanismen und der Ablauf des Spiels sind einfach und schnell zu begreifen und die Spielzeit ist mit ca. 45 Minuten überschaubar. Das sind alles geringe Einstiegshürden – von daher ist das Spiel für Familien und Gelegenheitsspieler sehr gut geeignet. Aber so einfach El Gaucho daherkommt, so mehr Spieltiefe bekommt es, je öfter man es spielt … weiterlesen auf Reich der Spiele.

Nachbemerkung: El Gaucho erschien 2014 im Argentum Verlag. Seite ungefähr 2017 ist Argentum leider nicht mehr existent und seit 2018 liegen alle Rechte zu El Gaucho wieder bei mir. Mittlerweilte gibt es auch die El Gaucho Erweiterung und El Gaucho – Das Kartenspiel. Weitere Line-Extensions schwirren in meinem Kopf herum. El  Gaucho wartet also auf einen neuen Verleger, der genauso wie ich an den erfolg des Titels glaubt.

Anerkennungen für El Gaucho

2016
Gouden Ludo
Categorie Familie
2015
Speelgoed van het Jaar
Categorie 10 en 11 jaar: Nominee
2014
The Dice Tower
Seal of Excellence
2014
Swiss Gamers Award
Shortlist