Projekt Cosmic Encounter


Direkt zu den Bildergalerien »

Hier möchte ich mein langjähriges „Projekt Cosmic Encounter“ vorstellen – (m)eine ganz eigene und einmalige Version des legendären Brettspiel-Klassikers. Wie es dazu kam und wie dieses Unikat entstanden ist kannst Du hier lesen. Ein Making of …

Cosmic Encounter – die erste Begegnung

Den ersten Kontakt mit Cosmic hatte ich vor ca. 25 Jahren. Mein Freund Guido E. war (und ist) stolzer Besitzer einer EON-Erstausgabe inkl. aller Erweiterungs-Sets. Mit ihm hatte ich seinerzeit die ersten Partien gespielt bin sofort dem Flair (!) des Spiels verfallen. …  An dieser Stelle möchte ich auch an die legendäre 8ter!-Runde erinnern, mit immer zwei Simultanspieler. Wer Cosmic kennt, kann sich das heillose Chaos und den Riesenspaß vorstellen.

Natürlich wollte ich auch sofort eine Ausgabe von Cosmic Encounter haben, aber leider war das Spiel nicht mehr am deutschen Markt erhältlich (zumindest nicht in meinem Umfeld – und Internet gab es seinerzeit ja noch nicht). Guido war damals aber auch stolzer Besitzer eines wunderbaren Spieleladens in Frankfurt und hatte noch ein paar „Expansion-Sets“ auf Lager. Die kaufte ich und das war der Grundstein für eine lange kosmische Reise. Mit einer Hand voll Mächte (Charaktere) und Herausforderungskarten machte ich mich daran das restliche Spielmaterial selber zu basteln. Ich lieh mir also eine EON-Ausgabe … und ab ging es in den Copyshop.

Cosmic „Marke Eigenbau“ die Anfänge (ab 1985)

Die Spieler-Hexe und Monde wurden schwarz-weiß kopiert, auf Karton aufkaschiert und ausgeschnitten. Für die Raumschiffe meiner „ersten“ Ausgabe hatte ich farbige Papiere auf Karton geklebt und daraus in mühsamer Kleinarbeit dreieckige Counter geschnitten, das fand ich etwas stylischer als die runden EON-Pappteile. Außerdem erinnerte die Form etwas an die Raumschiffe der Frogs aus „Raumpatrouille Orion“ – genauso einfach und genauso naiv. Auch die Monde kopierte ich mir damals – auf blaugraue Elefantenhaut … was dann mit der Nagelschere folgte, kann man sich sicherlich bildlich vorstellen. Aber ohne Fleiß, kein Preis! So hatte ich zumindest eine halbwegs spielbare Version.

1985 kam dann die deutsche Ausgabe von ASS auf den Markt und 1986 die Version von Games Workshop. Die musste ich natürlich sofort kaufen, allerdings fand ich die grafische Umsetzung nicht besonders gelungen. Aber immerhin hatte ich jetzt einen „echten“ Kartensatz und noch mehr Charaktere. Es folgten noch die englische Ausgabe von Mayfair und die Hexagames-Ausgabe – beide 1991. Auch diese Versionen kaufte ich. Somit hatte ich zwar viel Cosmic-Material, das natürlich entsprechend kombiniert wurde, aber keines dieser Umsetzungen kam an den Spirit der EON-Ausgabe ran.

Es blieb also nur eine Lösung: ich musste meine eigene Version gestalten. Mittlerweile hatte der Computer und Drucker den Copyshop ersetzt und ich war studierter Designer. Also machte ich mich daran im Geiste von EON ein etwas bunteres Cosmic ganz nach meinem Geschmack zu entwerfen – ein ambitioniertes Unterfangen das ich Angfang 2003 in Angriff nahm.

Cosmic die erste Version (ab 2003)

Als erstes entstand das Artwork für die Spielfelder. Den Aufbau wollte ich wie im Original lassen, allerdings sollte jedes System einen eigene Charakter bekommen. Da wo in der EON-Version die Schicksalsscheiben liegen um die Spielerfarbe zu definieren, entstand also auf jedem Hex ein individuelles „Planetenvisual“. Das findet sich dann auch auf den Planetenscheiben des Schicksalsstapels wieder. Bilder Spieler-Hexe »

Das Herzstück von Cosmic Encounter sind natürlich die mächtigen Mächte. Ich bin leider kein guter Illustrator, also blieb mir nichts anders übrig, als in die Tiefen des Internets vorzudingen und passende Artworks zu finden. Bei den Abbildungen der einzelnen Mächte wollte ich mich nicht auf einen einzigen Stil festlegen, sondern für jeden Character das passende Motiv und die passende Anmutung zu finden. Trotzdem sollte alles irgendwie zusammen  harmonieren und ein durchgehenden „Look“ haben. Viele der „gefundenen“ Motive habe ich noch zusätzlich bearbeitet oder mit anderen Bildern zusammen montiert. Das das bei der Fülle nicht immer 100% geglückt ist mag sein, aber im Ganzen bin ich immernoch zufrieden. Bilder Mächte »

Insgesamt habe ich 101 Mächte umgesetzt. Das sind zum Großteil die Original EON-Mächte, aber auch Charaktere, die ich von kreativen Cosmic-Fans im Internet gefunden habe. (Wirkliche Cosmic-Profis mögen jetzt eine Diskussion über die Auswahl, die Stärken und Schwächen der Mächte anzetteln, aber ich sehe das nicht so akademisch.) Durch die deutschen Ausgaben (ASS; Hexagames) hatte ich natürlich einige Übersetzungen, aber ein Großteil der Vorlagen waren natürlich englisch. Ich wollte eine reine deutsche Ausgabe erstellen – zweisprachen Mischmasch hatte ich ja lang genug –, also musste ich mich daran machen, alle Texte zu übersetzen. Und da ich schon dabei war, habe ich auch alle deutschen Texte in Stil und in den Terminologien angepasst … Uff! Das mit den Übersetzungen stand  dann auch noch bei den Monden an. Uff uff!

Nachdem dieser nicht unwesentliche Teil erledigt war, konnte mich wieder der Gestaltung widmen. Die Rückseite der Monde und der Hyperraumkegel entstanden  in Photoshop. Auch bei dem Hyperraumkegel habe ich mich an das Original gehalten. Für die Realisation der Monde und des Hyperconeshatte ich mir die Pappträger von einem Fachmann meines Vertrauens aus Graupappe erstellen lassen – ich sage nur Schneidplotter! Diese Rohlinge habe ich dann beidseitig beklebt und den Überstand mit einem Skalpell abgeschnitten. Die Spieler-Hexe habe ich ebenfalls doppelseitig auf dicke Graupappe aufkaschiert und dann geschnitten.

Zum Schluss kam noch der Kleinkram dran: Lucre und die „Raumschiffe“. Für die Lucre gestaltete ich einfache rechteckige Counter. Nichts weltbewegendes. Für die Umsetzung der Raumschiffe hatte ich die Idee, diese aus dem „Buck Rogers“ Spiel zu nehmen, aber die waren etwas zu groß und auch nicht handlich. Vielleicht war das eine gute Entscheidung – die Cosmic-Plastik-Versionen überlasse ich (jetzt) Avalon Hill und Fantasy Flight Games. Die klassischen Holzwürfel fand ich dann ideal. Mit kleinen Raumschiff-Icons sahen die sehr hübsch aus, waren fürs Spiel handlich und auch bis zu einem gewissen Grad stapelbar (es grüßt der „Fungus“– „Die Pilzwesen“). Auf die Unterseite der einzelnen Steine kam dann noch ein Aufkleber mit einem Sternchen. So kann man Raumschiffe die spezielle Funktionen oder Eigenschaften im Spiel bekommen einfach erkennen (z.B. versklavte Steine der „Vampire“).

Und noch die Regel. Auch die habe ich neu gesetzt und der Gesamtgestaltung angepasst. Aber natürlich musste der Titel der Original-Ausgabe bleiben  … und: die habe ich nicht überstzt!

Insgesamt viel, viel Arbeit und Herzblut – aber damit hatte ich MEINE Cosmic-Vision, bzw. Version fertig … erstmal …

Die Weiterentwicklung (ab 2011)

Wir schreiben mittlerweile das cosmische Jahr 2011, viele Partien später! Bei jedem Spiel finde ich immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten und kleine Fehler. Außerdem fehlt noch immer ein weiteres zentrales Element im passendem Design: die Karten!

Jeder, der selber Spiele entwickelt, oder bastelt, kennt das Problem mit der Erstellung von Spielkarten: eine Ideallösung für Eigenproduktionen gibt es nicht. Aber es gibt einen Anbieter, der sich im Spielemarkt einen Namen gemacht hat: Mücke Spiele. Unter www.spielmaterial.de bietet Mücke Spiele unter anderem an, Spielkarten in Kleinauflage zu drucken. Bei dem „Unterfangen Cosmic“ spielen Kosten für mich eine untergeordnete Rolle und die Angebote von Mücke Spiele sind wirklich fair.

Nachdem ich also Morgenluft geschnuppert hatte und mich meiner komplett-Ausgabe einen Schritt näher sah, machte ich mich nun an die Spielkarten. Ich habe den klassischen Kartensatz der EON-Ausgabe(n) verwendet (Herausforderungs- und Kompromisskarten sowie die Edicts und Kicker). Zusätzlich habe ich noch die Reinforcement-Karten und die Minus-Kicker genommen.

Mit Flares spielte ich nicht so oft, daher begnügte ich mich nur eine kleine Auswahl von Flares zu realisieren. Um genau zu sein habe ich 48 Flare-Karten erstellt, nähmlich die Flares, die es mit der deutschen Ausgabe von Hexagames gab. Hier musste ich die Texte nur noch teilweise Anpassen und nicht mehr komplett übersetzen. Bilder Flares »

Für die Illustrationen, bediente ich mich meiner damaligen Cosmic-Bildersammlung und ging hier und da noch mal in die Recherche. Das Ergebnis gibt es in der Bildergalerie Karten zu sehen. Das Schönste war, ich musste hier nicht noch stundenlang schneiden und schnipseln, sondern konnte mich auf entspannt auf die Post mit der Lieferung freuen. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank und meine Empfehlung an Mücke Spielmaterial. Die Qualität und auch der Preis waren absolut überzeugend. Bilder Karten »

Im Format der Karten habe ich auch noch eine kleine Spielhilfe erstellt. Auf der einen Seite findet sich der genaue! Rundenablauf, falls es wirklich mal zu Timing-Konflikten kommen sollte, und auf der Rückseite eine Auflistung aller Karten inkl. deren Anzahl.

Und weil ich gerade einen kosmischen Schub hatte, habe ich auch noch ein paar Kleinigkeiten optimiert: Die erste Version meiner Monde hatte mir nicht so recht gefallen, da ich die Rüchseite mit dem Text in hell gestaltet hatte, das sah am Rand nie so schön aus. Meine jetzigen Monde haben schwarzen Fond mit weißem Text. Auch die Lucre wollte ich etwas handlicher haben. Das Zauberwort dazu hieß „Locheisen“. Das Ding gibts im Baumarkt – ich habe es nur mit einem Durchmesser bis zu 16mm gefunden. Aber das war für die Lucre allemal perfekt. Neues rundes Layout gemacht, beidseitig aug Graupappe kaschiert und dann Schlag für Schlag kosmische Währung erstellt. Es gibt übrigens einer und fünfer Lucre.

Dann bin ich auf die nette Erweiterung der Asteroiden von Andrew Plotkin gestoßen. Naja, das umzusetzen war keine große Herausforderung: In der Größe der Monde habe ich die Asteroiden gestaltet und für die Zuordnung zu den Mächten gibt es die Asteroiden auf einem dünneren halbkreisförmigen Karton. Den kann man einfach vor die Mächte in die Plastikständer stecken. Ach so, ja: hatte ich die Mächte in meiner ersten Version noch wie bei EON einfach zum Aufstellen gemacht, ist der neue Satz Mächtekarten im halben Format mit Vorder- und Rückseite. Diese Karten können dann in die besagten Plastikständer gestellt werden und sind dann nicht mehr so wackelig.

Und just, als ich all das fertig hatte, erfahre ich von Guido E. (hier schließt sich der Kreis) das es eine neue Ausgabe gibt. Die Fantasy Flight Games Version. Mit zum Teil ganz neuen Konzepten. Ich habe mir natürlich sofort die Regel heruntergeladen und die Neuerungen gelesen. Die Technologiekarten fand ich ganz reizvoll und habe diese dann auch gleich noch „mitgemacht“. Allerings nicht im Spielkartenformat wie bei FFG, sonder im Format meiner Mächte-Karten – Gestaltung, Übersetzung, Bastelei … wie gehabt. Bilder Technologien »

Und wie geht es weiter?

Das ist der aktuelle Stand von MEINEM Cosmic Encounter. Aber es gibt so viele Cosmic-Liebhaber weltweit mit so vielen Ideen und Anregungen …

Aber jetzt genug geschrieben. Wenn ich auch nicht alle Details erwähnt habe, hoffe ich, das ich einen kleinen Eindruck in die Entstehung dieser Version geben konnte und vielleicht auch etwas Begeisterung  geweckt habe. Aber Bilder sagen sowieso mehr als viele Worte: hier findet Ihr Impressionen und alle Details.

Wer wirklich mehr wissen will, muss mir schreiben. Und wer weiß, vielleicht sitzen wir uns bald bei einer Partie gegenüber.

Direkt zu den Bildergalerien »

p.s.: An dieser Stellt möchte ich allen Künstlern danken, deren Werke ich für die Illustrationen verwendet habe.

1 Kommentar zu „Projekt Cosmic Encounter“


  1. andreas

    Sieht nach einer tollen Version aus!!! Nichts geht über ein selbst erstelltes Unikat, dass genau dem eigenen Spielgeschmack entspricht…..