Ist das Kulturgut Spiel ein Schnickschnack?

By 28. Februar 2013Allgemein

So erfreut ich über den Artikel „Erfinder: Selbstverwirklichung per Weltraumspiel“ auf Spiegel Online bin, so kritisch möchte ich mich über die Positionierung des Artikels in der Rubrik „Gadgets“ unter dem Thema „Netzwelt“ äußern.

Gadgets? Ein Apparat? Eine technische Spielerei? Schnickschnack? Trifft das auf das Kulturgut Spiel zu? Ist das die richtige Positionierung für einen Artikel über eine „Spieleerfinder-Messe“ und für die weiteren Artikel zum Thema „Spiel“?

In keinem anderen Land wird soviel gespielt wie in Deutschland. Deutsche Gesellschaftsspiele genießen weltweit unter dem Begriff „German Games“ ein hohes Ansehen. Deutschland hat eine äußerst lebendige Spiele- und Spielerszene und einen großen und stetig wachsenden Spielmarkt. Das Kulturgut Spiel ist mit allen seinen Schaffenden in meinen Augen ein Teil der deutschen Kreativwirtschaft. Ist das Schnickschnack?

Neben den Menschen, die täglich beruflich mit dem Kulturgut Spiel zu tun haben, gibt es natürlich noch all die Menschen, die die Spiele spielen. Und gespielt wird quer durch die Gesellschaft: vom höchstem Topmanager über Politiker jeglicher Couleur bis hin zum ungelernten Arbeiter. Gespielt wird von Alten, von Senioren, von Familien und Jugendlichen bis zu den Kleinsten. Und oft finden sich diese verschiedenen Menschen aus den unterschiedlichen Altersgruppen zum Spielen zusammen … das ist gelebte Gesellschaft wie sie sein sollte.

Und dann steht die Rubrik Gadgets auch noch unter dem Thema „Netzwelt“, wobei doch gerade das Gesellschaftsspiel ein Gegenpol zur immer schneller werdenden Welt des Digitalen ist: hier sitzen ganz „analog“ Menschen gemeinsam an einem Tisch, die sich Zeit nehmen, miteinander ein paar schöne Stunden zu verbringen – und das sind nicht alles Netzwelt-Gadget-Nerds.

Ich sage also: „Nein, lieber Spiegel Online“. Diese Positionierung wird dem Stellenwert des Kulturguts Spiel nicht gerecht. Je nach inhaltlichem Schwerpunkt eines Artikels zum Thema Spiel gehört dieser in die Rubrik: Kultur, Gesellschaft oder Wirtschaft.

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P.s.: Diesen Text hatte ich heute auch als Artikel-Feedback an die Spiegel Online Redaktion geschickt. Und erfreulicherweise kam auch ziemlich gleich eine Antwort aus der Netzwelt Redaktion:

„Dass der Text unter dem Thema ,Gadgets‘ einsortiert wurde, ist einfach nur ein Fehler, für den wir um Entschuldigung bitten. Ich werde das sofort korrigieren, danke für den Hinweis.
Dass er im Netzwelt-Ressort erscheint, ist aber so gewollt: Wir kümmern uns seit jeher um Spiele aller Art (die nur bei uns gebührenden Platz finden – und wir hier in der Redaktion auch die Spielinteressierten sind). Das mag für Sie als Leser verwirrend sein, aber die Texte sollten eigentlich trotzdem immer zu finden sein. Ein richtiges Ressort ,Gesellschaft‘ gibt es bei uns auch gar nicht.
Dass Sie von uns Netzwelt-Redakteuren und unseren Lesern als „Netzwelt-Gadget-Nerds“ sprechen…darüber sehen wir mal hinweg. :-)

Ich persönlich spiele privat leidenschaftlich gern und sehr viel, in erster Linie Brettspiele. Deshalb freue mich über jeden Spieletext, den wir auf einer Nachrichtenseite überhaupt unterbringen können. Und ich bin froh, dass er dann in unserem Ressort erscheint. Woanders würde er zwischen den Tagesmeldungen wohl noch eher untergehen.“

Dazu sage ich dann: „Danke, lieber Spiegel Online und Danke an die Netzwelt Redaktion“. Ich hoffe, der Artikel ist dann standesgemäß unter der Rubrik „Games“ zu finden.

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