Artikel im Monat „Februar 2013“

Ist das Kulturgut Spiel ein Schnickschnack?

So erfreut ich über den Artikel „Erfinder: Selbstverwirklichung per Weltraumspiel“ auf Spiegel Online bin, so kritisch möchte ich mich über die Positionierung des Artikels in der Rubrik „Gadgets“ unter dem Thema „Netzwelt“ äußern.

Gadgets? Ein Apparat? Eine technische Spielerei? Schnickschnack? Trifft das auf das Kulturgut Spiel zu? Ist das die richtige Positionierung für einen Artikel über eine „Spieleerfinder-Messe“ und für die weiteren Artikel zum Thema „Spiel“?

In keinem anderen Land wird soviel gespielt wie in Deutschland. Deutsche Gesellschaftsspiele genießen weltweit unter dem Begriff „German Games“ ein hohes Ansehen. Deutschland hat eine äußerst lebendige Spiele- und Spielerszene und einen großen und stetig wachsenden Spielmarkt. Das Kulturgut Spiel ist mit allen seinen Schaffenden in meinen Augen ein Teil der deutschen Kreativwirtschaft. Ist das Schnickschnack?

Neben den Menschen, die täglich beruflich mit dem Kulturgut Spiel zu tun haben, gibt es natürlich noch all die Menschen, die die Spiele spielen. Und gespielt wird quer durch die Gesellschaft: vom höchstem Topmanager über Politiker jeglicher Couleur bis hin zum ungelernten Arbeiter. Gespielt wird von Alten, von Senioren, von Familien und Jugendlichen bis zu den Kleinsten. Und oft finden sich diese verschiedenen Menschen aus den unterschiedlichen Altersgruppen zum Spielen zusammen … das ist gelebte Gesellschaft wie sie sein sollte.

Und dann steht die Rubrik Gadgets auch noch unter dem Thema „Netzwelt“, wobei doch gerade das Gesellschaftsspiel ein Gegenpol zur immer schneller werdenden Welt des Digitalen ist: hier sitzen ganz „analog“ Menschen gemeinsam an einem Tisch, die sich Zeit nehmen, miteinander ein paar schöne Stunden zu verbringen – und das sind nicht alles Netzwelt-Gadget-Nerds.

Ich sage also: „Nein, lieber Spiegel Online“. Diese Positionierung wird dem Stellenwert des Kulturguts Spiel nicht gerecht. Je nach inhaltlichem Schwerpunkt eines Artikels zum Thema Spiel gehört dieser in die Rubrik: Kultur, Gesellschaft oder Wirtschaft.

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P.s.: Diesen Text hatte ich heute auch als Artikel-Feedback an die Spiegel Online Redaktion geschickt. Und erfreulicherweise kam auch ziemlich gleich eine Antwort aus der Netzwelt Redaktion:

„Dass der Text unter dem Thema ,Gadgets‘ einsortiert wurde, ist einfach nur ein Fehler, für den wir um Entschuldigung bitten. Ich werde das sofort korrigieren, danke für den Hinweis.
Dass er im Netzwelt-Ressort erscheint, ist aber so gewollt: Wir kümmern uns seit jeher um Spiele aller Art (die nur bei uns gebührenden Platz finden – und wir hier in der Redaktion auch die Spielinteressierten sind). Das mag für Sie als Leser verwirrend sein, aber die Texte sollten eigentlich trotzdem immer zu finden sein. Ein richtiges Ressort ,Gesellschaft‘ gibt es bei uns auch gar nicht.
Dass Sie von uns Netzwelt-Redakteuren und unseren Lesern als „Netzwelt-Gadget-Nerds“ sprechen…darüber sehen wir mal hinweg. :-)

Ich persönlich spiele privat leidenschaftlich gern und sehr viel, in erster Linie Brettspiele. Deshalb freue mich über jeden Spieletext, den wir auf einer Nachrichtenseite überhaupt unterbringen können. Und ich bin froh, dass er dann in unserem Ressort erscheint. Woanders würde er zwischen den Tagesmeldungen wohl noch eher untergehen.“

Dazu sage ich dann: „Danke, lieber Spiegel Online und Danke an die Netzwelt Redaktion“. Ich hoffe, der Artikel ist dann standesgemäß unter der Rubrik „Games“ zu finden.


Die 16. Spieleerfinder-Messe in Haar

Am 22. und 23. Februar veranstaltete das Bayerisches Spiele-Archiv Haar e.V. zum 16. mal die Internationale Spieleerfinder-Messe. Hier hatten Spiele-Autoren Gelegenheit, ihre Spieleentwürfe und Prototypen den Redakteuren und Produktmanagern der Spielverlage vorzustellen.

Eröffnet hatte die Messe Herr Christian Brunner vom Spiele-Archiv Haar, der dieses Jahr zum ersten mal die Organisation und Leitung übernahm. Ein kritisches Grußwort gab es von Christian Beiersdorf, Vorstandsmitglied der Spieleautorenzunft. Er merkte an, das die Aussage „… es werden Ideen präsentiert …“ gerade im Zuge der allgemeinen Urheberrechtsdebatte nicht wirklich förderlich ist. Es handelt sich nämlich nicht um Spiele-Erfinder die Ideen präsentieren, sondern um Spiele-Autoren, die Spieleprototypen präsentieren. Eine Idee kann urheberrechtlich nicht geschützt werden, ein Produkt oder Prototyp aber schon. Die SAZ setzt sich für das Kulturgut Spiel und die Rechte der Spieleautoren ein. Sie ist seit Januar 2013 Mitglied in der Inititiative Urheberrecht.

Auch die Medien waren anwesend und haben für eine tolle Berichterstattung rund um den Messetermin gesorgt. Hier ein paar Links:

Bayerischer Rundfunk/Nachrichten: Erfinder-Messein Haar: Mekka für Spiele (Beitrag von Nina Riecher)

Spiegel Online: Erfinder: Selbstverwirklichung per Weltraumspiel (Bericht von Markus Böhm)

Merkur Online: Spieleerfinder-Messe in Haar: Hoffen auf den großen Wurf

P.s.: Wer mich kennt, erkennt mich vielleicht in dem einen oder anderem Beitrag. Ich sage Danke an den BR und Danke an den Journalist und Blogger Markus Böhm von dem auch das Foto stammt.