Artikel im Monat „Juni 2012“

Fachgruppe Spiel – ein Trauerspiel?

„Die Fachgruppe Spiel (…) ist als Interessenverband aller wichtigen Spieleverlage in Deutschland ein wichtiger Ansprechpartner sowohl für mannigfaltige brancheninterne Fragen (…) wie auch für die Außendarstellung der wichtigen Rolle, die das Spiel in Familie und Gesellschaft einnimmt.“

So steht es in einer Pressemitteilung der Fachgruppe Spiel. Die Arbeit, die Kompetenz und die Aktionen der Fachguppe Spiel möchte ich nicht in Frage stellen, aber deren Internetauftritt (www.fachgruppe-spiel.de) ist, gelinde gesagt, ein Trauerspiel und alles andere als eine gute Außendarstellung für das „Spiel“ und für den Verband selbst. Ein paar Klicks reichen um sich von dieser desolaten Öffentlichkeitsdarstellung ein Bild zu machen. Ein Bild das allerdings sehr sehr leer sein wird. Ich bin darüber ein wenig verwundert, denn hinter dem Interessenverband stehen nicht gerade unbedeutende Verlage.

Gerne wollte ich eine Stellungnahme von der Fachgruppe Spiel aber selbst die angegebene E-Mail-Adresse funktionierte nicht: „Mail delivery failed“. Super!

Wer also Interesse an dem Verband und deren Aktivitäten hat, darf sich durch die weltweiten Suchmaschinen quälen. Schade für eine verpasste Chance und schade, das die Fachgruppe Spiel zumindest in diesem Punkt Ihren eigenen Zielen nicht gerecht wird.


Ein Siedler wird 60!


Am kommenden Montag dem 25. Juni, feiert Klaus Teuber, der Erfinder des Brettspiels „Die Siedler von Catan“, seinen 60. Geburtstag. Brettspielkultur sagt heute schon mal „Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank Herr Teuber“. Vielen Dank für Catan und seine wachsende Familie, vielen Dank für alle Spiele und Ideen aus Ihrer kreativen Feder und vor allem vielen Dank dafür, das Sie einen großen Beitrag für die Brettspielkultur in Deutschland geleistet haben.

Das Brettspiel „Die Siedlern von Catan“ erschien 1995 beim Kosmos-Verlag. Es wurde nicht nur Spiel des Jahres sondern bildete den Grundstein für die heute international erfolgreiche und populäre Siedler-Familie. Das Erscheinen der „Siedler“ war auch einer der Auslöser für eine zunehmende Popularität von Brett- und Gesellschaftsspielen in Deutschland. Mit den Siedlern wuchs auch der deutsche Spielemarkt und damit die Brettspielkultur. Sogesehen ist das Fantasieland Catan eine Entdeckung wie einst Amerika.

Ich hoffe, das in den Medien eine breite Bereichterstattung stattfindet. Heute zumindest war schon in der Frankfurter Rundschau eine Doppelseite Herrn Teuber und Catan gewidmet – wenn auch nur im Regionalteil (Klaus Teuber wohnt in Rossdorf bei Darmstadt). Das Interview ist aber auch auf fr-online nachzulesen. Ein kurzes Zitat:

„Beim Spielen kann man viel lernen: Toleranz üben, akzeptieren, dass ein anderer besser ist, oder lernen, mit anderen Verhaltensweisen umzugehen. Das ist wirklich das Wertvolle – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger“

Recht so und weiter so Herr Teuber. Have a Happy Siedler-Day.

Mehr Infos unter www.catan.de und natürlich per Suche im gaesamtem Web.


Auch Spielautoren sind Urheber

Im Rahmen der Diskussion um eine Reform des Urheberrechtsgesetzes in Deutschland bezieht die SAZ ( Spiele-Autoren-Zunft e.V.) Stellung und hat im Rahmen Ihrer Mitgliederversammlung am 1. Juni 2012 in Göttingen dazu eine Resolution verfasst: „Fünf Punkte zur Urheberrechtsdebattte“. Das PDF zum Download und mehr Infos gibt es direkt hier auf der Seite der SAZ.


Blog Update

Die ersten Wochen sind vorbei und die ersten Artikel geschrieben. Facebook ist aktiviert und rollt an, ebenso wie Brettspielkultur auf Twitter. Ein RSS-Feed stetht jetzt auch zur Verfügung. Nebenbei habe ich den Blog noch hier und da erweitert und verfeinert. Eine neue Rubrik ist jetzt über die Navigation im Footer (unten auf der Seite) zu erreichen. Der Titel ist Programm: „Privates ganz öffentlich“. Hier stelle ich für mich (und für alle die es interessiert) ein paar Übersichten und Statistiken ein. Zum Beispiel mein Spiele-Logbuch: was wurde mit wem wann gespielt und wie waren die Ergebnisse. Demnächst findest Du hier auch noch eine Bestandsaufnahme meiner Sammlung … Ja, auch Listen und Statistiken haben eine Aussagekraft, wenn man sie zu lesen weiß.

Jetzt ist zumindest die Basis des Blogs in einer From, mit der ich fürs Erste ganz zufrieden bin und kann mich ab sofort mehr dem Inhalt und der „Vermarktung“ widmen. Weiterhin viel Spaß beim Lesen und hoffentlich gute Anregungen für eine bessere Brettspielkultur – und: „man spielt doch mit dem Essen!“


Reiner Knizia – Maximum Impact Game Design

Reiner Knizias Vortrag an der Utrecht School of the Arts über erforgreiches Spieledesign im sozialem Kontext.

Nicht nur das Reiner Knizia einer der weltweit erfogreichsten Spieleerfinder ist, er ist auch einer der immer ganz nah an der Zeit ist. Wer sich ein wenig im Bereich der Online- und App-Spiele umsieht, weiß wovon ich rede – Herr Knizia mischt hier ganz vorne mit. Warum das so ist und was überhaupt ein Spiel erforgreich macht, erzählt er zumindest im Groben in dem knapp halbstündigem Vortrag. Und auch hier wird wieder deutlich wieviel das Spiel mit unserem täglichem Leben, bzw, unser tägliches Leben mit Spielen zu tun hat.

Besonders mag ich die letzte Aussage: „People will not come to the Game – The Games must go to the People”. Das spielt in Knizias Sinne natürlich an die vielen neuen Vertriebsmöglichkeiten über Online- und App-Stores an, aber für mich steckt da auch der Gedanke dahinter, das viele Menschen das Spielen einfach verlernt haben, oder nicht mehr zum Spielen kommen. Deshalb ist es auch eine Aufgabe diesen Menschen das Spielen wieder nahe zu bringen – und zwar nicht im kommerziellem Sinne.

Und man sollte die Aussage noch erweitern, denn wenn das Spiel bei den Menschen angekommen ist, brauchen Sie auch Zeit zum Spielen. Und Spielzeit bedeutet  ja nicht nur die Zeit, die man real spielt, sondern auch die Zeit (oder Muße), die man sich nehmen soll um sich auf Neues einzulassen: neue Regeln, neue Themen eventuell neue Mitspieler, neue Situationen, neue Herausforderungen etc. Reiner Knizia sagt, bei den großen Verlagen wie Hasbro und Konsorten hat ein Spiel nur eine Chance, wenn man es in wenigen Minuten erklären und den USP (werbesprech: unique selling proposition – das Alleinstellungsmerkmal) des Spiels präzise bezeichnen kann. Das ist sicherlich ein unternehmerisch richtiger Ansatz für einen kommerziellen Erfog bei einer möglichst breiten Zielgruppe. Aber dem möchte ich in soweit wiedersprechen, das es gerade heute in der enorm schnellebigen Zeit in der eigentlich keiner mehr wirklich Zeit hat, es auch und besonders eine Aufgabe von Spielen ist, dem entgegen zu wirken.

Das Kulturgut Spiel sollte nicht zu einem schnellem Konsumgut verfallen, sondern im Gegenteil. Es sollte einen (Frei-)Raum schaffen um eben für sich selber wieder mehr Zeit zu gewinnen.